Carlo


Liebe Agnes, Lucie, Wilma und Co


Nachdem wir die erste Geburt von unserem Sohn Till (2005) im Geburtshaus abbrechen mussten und im Krankenhaus entbunden haben, hatten wir es uns nun in den Kopf gesetzt, die zweite Geburt im Geburtshaus auch zu beenden!!!

Während der Schwangerschaft prophezeite man uns ein großes Kind mit einem großen Kopf. Wir sollten es gut abschätzen, ob ein Geburtshaus, oder doch lieben das „sichere Krankenhaus“ für uns in Frage käme. Unser Kopf saß zu und unsere Gedanken waren blockiert – nein Krankenhaus, womöglich noch ein geplanter Kaiserschnitt, das wollten wir nicht.

Nach vielen Gesprächen mit den Hebammen war klar, dass „es passen muss“ – „du kannst ein großes Kind kriegen!“ (Till war 3900 Gramm, 56cm, 36,5 Kopfumfang). Wir fühlten uns sicher aufgehoben und waren beruhigt – für uns stand fest, dass wir es probieren wollten.

Am 20.09.08 kündigte sich die Geburt an. Ich verlor Spuren von Fruchtwasser, nicht viel, aber die Konsistenz war so, wie es überall beschrieben wird, hm.......was machen? Um 09.00 Uhr habe ich in der Villa angerufen, ich fuhr hin und lies es kontrollieren. Im Geburtshaus untersuchte mich Wilma mit dem Ergebnis, dass die Fruchtblase noch stand. Es könnte ein oberer Blasenriss sein, die Geburt könnte also noch dauern. CTG war super. “Fahr` nach Hause und warte ab!” Mit beruhigtem Gefühl trat ich die Heimreise an.

Zu Hause rüselte ich noch durchs Haus, machte die Waschmaschine an, räumte etwas auf – ich hatte irgendwie Hummeln im Hintern- versuchte mich dennoch etwas zu entspannen- Danke Claudia für dein Autogenes Training- und legte mich gegen Mittag ins Bett. Anschließend ging eine große Menge Fruchtwasser weg, ab da war mir klar, das uns ein schönes und freudiges Ereignis ins Haus besteht! Allmählich verspürte ich auch die ersten Wehen.

Mir war langweilig, das Haus war soweit ok, Till war draußen beim Papa – was machen?
Ich kletterte auf unseren Aufsitzrasenmäher und mähte den Rasen. Hier merkte ich die Wehen schon deutlicher, konnte sie gut veratmen und da der Motor ja lief, hörte mich ja auch keiner, perfekt! Auch die Extrafahrten über Randsteine wurden erledigt, vielleicht rutschte das Kind dadurch schneller in Geburtsposition. Im Nachmittagsbereich kamen und gingen die Wehen.
Gegen 19 Uhr brachten wir Till zu Bett, wir bestellten uns noch eine Pizza und ich stieg anschließend noch in die Wanne. Was für ein schönes Gefühl, schöne Musik und mein Buch, das wollte ich eigentlich noch zu Ende gelesen haben, bevor das zweite Kind auf der Welt war.......na ja, das hat nicht geklappt. Gegen 22 Uhr rief ich erneut in der Villa an. Wir kämen heute noch!!! Ich war unbeschreiblich müde und wollte mich noch ein bisschen zu Hause hinlegen und schlafen. „Ruft an, wenn ihr losfahrt!“ sagte Wilma. Ich schlief ein und veratmete fleißig die Wehen. Gegen 23.15 Uhr weckte mich Georg und meinte, dass wir losfahren sollten „du wirst so laut und vor allem so regelmäßig“. Ich hatte es nicht so empfunden..... ich schlief ja...... Nachdem ich mich zur Abfahrt fertig gemacht hatte, merkte ich, was Georg gemeint hat....... Schnell noch Oma/Opa zum babysitten angerufen und losgefahren. Puh, wie setzt man sich am besten unter Wehen ins Auto, und wie herum??? Irgendwie hatte ich es dann doch geschafft und wir fuhren mit wehenden Fahnen los. Auf der Hälfte der Fahrt, verspürte ich das Gefühl, das es kommt, ich musste pressen..... Georgs Arme haben während der Fahrt ordentlich herhalten müssen, vielleicht hat er auch deshalb gefragt, ob er anhalten und die Hebamme anrufen sollte – Nein, das wollte ich nicht, kein B9 Kind!!!

Kurz vor Mitternacht waren wir dann(endlich) am Geburtshaus. Die Türe stand offen, Kerzen brannten, Wilma war schon oben und erwartete uns. Aus dem Auto herausgeklettert- auch ne Kunst für sich- kam schon wieder eine Wehe, ich stand am Hauseingangsmäuerchen, veratmete sie und presste, als Wilma nach unten gehechtet kam mit dem Satz „Die presst ja schon!“ „Georg, bei der nächsten Wehenpause nimmst du sie rechts und ich sie links und ab nach oben mit ihr!“ Im Vanille-Zimmer veratmete ich weiterhin im Stehen die Wehen, hatte das Gefühl, dass das Köpfchen schon kommt. Ich wurde schnell noch meiner Klamotten entledigt, wollte gern in die Wanne. Wilma: „Die wird aber nicht mehr voll!“ Na ja, ich ging dann in der Vier-Füßler-Stand und mit Unterstützung von Georg, Wilma und dem erlernten autogenen Training war unser Kind nach ein paar sehr anstrengenden und schmerzhaften Wehen um 00.30 Uhr geboren.
Unser kleines, rosiges Baby mit dunklen Haaren guckte in seine neue Welt.

Wilma schob es durch meine Beine zu uns „nach vorne“ und wir schauten nach dem Geschlecht. Unser zweiter Junge.
Wir waren und sind glücklich, sind erleichtert, stolz und unendlich dankbar.
Nach wenigen Sekunden nahm ich unser Kind zum ersten Mal in meine Arme, wie schön!!!
Ich war so froh, meine Wünsche und Vorstellungen bezüglich der zweiten Geburt hatten sich absolut erfüllt, ich habe es geschafft unser zweites Kind in einer so tollen Atmosphäre zu gebären. Georg nabelte ihn schließlich ab, die Plazenta wurde noch geboren - von alldem bekam ich gar nichts mit, ich war gerade in einer anderen Welt. Wilma und Georg halfen mir ins Bett und ich bekam mein gerade geborenes Kind auf die Brust gelegt. Ein Gefühl, dass man einfach nicht beschreiben kann. Wir genossen diese Zeit und doch musste ich ihn für eine kurze Zeit loslassen. Er musste versorgt, vermessen und das erste Mal angezogen werden, das übernahm der stolze Papa. Mir wurden die aktuellen Maße zugerufen und das er schon das erste Häufchen erledigt hatte.....  3000 Gramm, 45cm groß, 35cm Kopf.

Wilma fragte uns, wie der kleine Mann nun heißen sollte. Da wir zwei Namen zur Auswahl hatten, haben wir zu dritt entschieden, dass er CARLO heißen sollte.

Nach einem guten Schluck Sekt, wurde ich versorgt  (ich kriege lieber noch ein Kind bevor ich noch mal genäht werden muss) und dann hieß es, zu dritt einschlafen und das gerade erlebte Revue passieren zu lassen. Na ja, schlafen konnte man das nicht nennen..... Gegen 07.30 Uhr wurden wir von Carlo erstmals lauthals begrüßt, er hatte Hunger! Wir auch! Wilma brachte uns Frühstück ans Bett, welches wir genossen. Anschließend fuhr Georg unseren Großen bei Oma und Opa abholen, um ihn dann seinen neuen Bruder vorzustellen. Er war total begeistert, konnte sich aber den Namen Carlo nicht merken - er nannte ihn Tom, warum auch immer..... Da bei der anschließenden U1 von Dr. Liehr alles in bester Ordnung war, packten wir unsere sieben Sachen zusammen und fuhren an einem wunderschönen Sonntagmorgen überglücklich und zufrieden zu viert nach Hause.

Wir möchten uns nochmals ganz herzlich bei Euch bedanken!
Während der Schwangerschaften, unter den Geburten und auch danach haben wir uns absolut sicher aufgehoben, angenommen und bestärkt gefühlt.

Macht weiter so – ihr seid ein tolles Team!