Lennert


Papa erzählt........


.... es war Dienstag Abend und ich kam von der Arbeit nach Hause. Mareike hatte einen Termin bei Agnes gehabt und ich war voller Erwartungen, dass es nun bald losgehen würde. Schon seit zwei Wochen hatte ich Urlaub auf Abruf und es viel mir jeden Tag schwerer zur Arbeit zu fahren, da ich mich auf unseren Nachwuchs freute. Meine erste Frage war also: „Wann geht es los?“ „Es wird ein Osterhäschen,“ hatte Agnes gesagt. Hieß also, noch mindestens drei Tage warten.

 `Es wird ein Osterhäschen`, den Spruch konnte ich nicht mehr hören. Alle sprachen nur von `Osterhäschen`, auf der Arbeit, die Verwandtschaft, Freunde, Bekannte. Ich war gefrustet, also Morgen wieder Arbeiten. Und immer auf einen Anruf warten.

Wir legten uns abends ins Bett. Gegen 00.30 Uhr wurde ich von Mareike geweckt: „Ich glaube meine Fruchtblase ist geplatzt“. Meine Antwort: „ Was heißt denn – ich glaube?“ Nach kurzer Besprechung war klar, die Fruchtblase ist geplatzt. Also Agnes angerufen (zum 1.Mal). Die beruhigte uns gleich und sagte kein Problem, locker bleiben und warten bis Wehen einsetzen. Wir legten uns wieder ins Bett. Um ca. 01.30 Uhr wurde ich von Mareike zum zweiten Mal geweckt: „Ich glaube ich habe Wehen“. Meine Antwort: „Was heißt denn – ich glaube?“ Gut, also es waren Wehen.
Wir riefen Agnes an (zum 2.Mal). Die beruhigte uns wieder und sagte: „Baden.“ Eine Frage schoss mir kurz durch den Kopf: „Mareike oder ich?“ Wir entschlossen uns Mareike würde baden und ich hielt ihr Gesellschaft. Nach 1 Stunde Badewanne legten wir uns wieder ins Bett. Nach kurzer Zeit kam der Kommentar von Mareike: „Die Wehen nehmen trotz Bad zu.“ Also gut, Agnes angerufen (zum 3.Mal). (Erstaunlich dass so eine Hebamme nach drei mal wecken in der Nacht immer noch so gut gelaunt ist). Wir vereinbarten, dass wir uns um 04.30 Uhr im Geburtshaus treffen würden. Die gepackte Tasche wurde eingeladen und los ging`s. Halt stopp! Da war doch was – Handwerker morgens um 09.00 Uhr. Was machen wir? Kurze Diskussion, Haustürschlüssel mit Instruktionen bei meinen Eltern abgegeben. Kommentar meines Vaters morgens um 04.00 Uhr (schlaftrunken): „kann man das nicht zu normaler Zeit regeln?“

04.30 Uhr Ankunft im Geburtshaus. Agnes war schon da – zu meinem Erstaunen immer noch sehr gut gelaunt. Ich bekam Kaffee, Mareike Tee und wir waren gleich ein Stück beruhigter. Es wurde ein CTG geschrieben: Alles in Ordnung – Wehen vorhanden, Herz des Kindes `Löwenstark `. Agnes stellte die Frage: „Möchtet ihr ins Krankenhaus oder hier entbinden?“ Mareike antwortete spontan: „Wir bleiben hier.“ An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich als Anästhesist zu Beginn der Schwangerschaft schon gewisse Bedenken gegen die Entbindung im Geburtshaus nicht verdrängen konnte. Die freundliche und kompetente Betreuung während der Schwangerschaft, einschließlich des Geburtsvorbereitungskurses haben diese aber immer weiter minimiert. Die angenehme Atmosphäre im Geburtshaus, das absolut sichere Auftreten von Agnes und das spontane, überzeugende `Wir bleiben hier` von Mareike haben dafür gesorgt, dass ich von da an nicht mehr über diese Frage nachgedacht habe. 
Die Wehen wurden nach und nach immer heftiger und auch Agnes stellte fest, dass die Wehenabstände sehr kurz waren – kein Grund zur Sorge, aber anstrengend für Mareike. Also ab in die Badewanne. Das Bad empfand Mareike wohl als angenehm, da mir die Wehen nicht so heftig erschienen. Von Agnes bekamen wir Tee, Kaffee, Plätzchen und Obst und so verflog die Zeit hier ziemlich schnell.
Vom Bad aus ging ´s dann ins Vanillezimmer. Agnes sagte immer, dass Mareike das ganz gut machen würde. Den Eindruck hatte ich auch. Im Vanillezimmer setzen ziemlich schnell die Presswehen ein. So gegen 07.00 Uhr muss das gewesen sein. In dieser Zeit lagen wir kurz im Bett, Mareike entschied sich aber dann unseren Nachwuchs in der Hocke zur Welt zu bringen.

Sie hockte nun also vor mir und stütze sich auf meinen Oberschenkeln ab. Mit jeder Wehe muss der Schmerz wohl schlimmer geworden sein, wahrscheinlich hundert mal so schlimm, wie sich der Schmerz auf meinen Oberschenkeln widerspiegelte. Zwischendurch dachte ich, das gibt blaue Flecken, dann dachte ich, was ist das schon gegen den Schmerz den Mareike auszuhalten hat. Also Michael – du  Memme, reiß dich zusammen.

Die letzten Minuten vor der Geburt zu beschreiben, ist nicht einfach und sollte in meinen Augen auch bei uns bleiben.
Während der letzten Geburtsphase sagte Agnes immer wieder mit Erstaunen, nach ableiten der kindlichen Herztöne, dass unseren Nachwuchs nichts schocken könne und er ein wirklich kräftiges Herz habe.

So wurde Lennert – der Löwenstarke – dann um 07.56 Uhr geboren.

Ich durfte abnabeln. Mareike war ziemlich fertig, nassgeschwitzt legte sie sich ins Bett. Ich bekam Lennert auf den Arm mit samt seiner Käseschmiere. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl dieser Moment der Geburt, der mir tatsächlich die Tränen in die Augen trieb. Jetzt bekam Mareike Lennert in den Arm und ich legte mich zu ihnen. Von den ersten Minuten nach der Geburt ist eigentlich nur noch das Glücksgefühl in Erinnerung.
Agnes und Lucie, die mittlerweile dazugekommen war, hatten natürlich einige Arbeit zu leisten. Sie räumten auf, wir bekamen Frühstück einschließlich eines Gläschen Sektes. Sie huschten wie gute Feen um uns herum, aber wir bekamen das eigentlich gar nicht mit, wir hatten nur Augen für Lennert und waren überglücklich.
Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug. Zwischendurch wurde Lennert `eingemessen`: 4040g Körpergewicht, 37 cm Kopfumfang, 55 cm Körpergröße erfüllten den frischgebackenen Papa mit Stolz.
Wir informierten unsere Verwandten und Bekannten über das freudige Ereignis. Nach einem Mittagessen im Vanillezimmer, kam der Kinderarzt und bestätigte uns einen rundum gesunden Jungen mit großen Füßen (hat er wohl von mir geerbt). Gegen 18.00 Uhr fuhren wir alle drei zufrieden und überglücklich nach Hause.

Wir bedanken uns beim Team der Villa Dullstein, vor allem bei Agnes für die liebevolle und kompetente Betreuung vor, während und nach der Geburt. Und bei Wilma, die uns in einer der ersten Nächte mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Danke!
Wir haben die Entscheidung im Geburtshaus zu entbinden nicht bereut und würden diesen Weg immer wieder wählen.