Ida


Liebe Lucie, liebe Agnes!

Am Samstagabend, den 02. August 2003 haben wir die Tagesschau gesehen und der Wetterbericht kündigte für die kommende Woche bis zu 39° an. Ich war geschockt, denn der errechnete Geburtstermin war erst der 05. August und Agnes hatte uns gesagt, wir sollten mit dem Termin rechnen und niemand kann einem sagen, ob daraus nicht noch 10 - 14 Tage mehr werden. Ich richtete mich schon auf den Super - Sonnen - GAU ein, als wir um kurz vor elf ins Bett gingen.

Aber Ida hatte ein Einsehen mit mir, denn kurze Zeit später merkte ich bereits ein leichtes Ziehen im Unterbauch. Ich war etwas nervös, denn unsere erste Tochter Hannah kam bereits nach etwa vier Stunden heftiger und fast ständiger Wehentätigkeit auf die Welt.

Schon bei ihr hätte ich gerne eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus gewollt, doch vor fünf Jahren gab es so etwas wie die Villa Dullstein noch nicht in der Umgebung. Also mussten wir ins Krankenhaus.

Es ging zwar schnell und recht komplikationslos und wir sind auch direkt nach Hause gegangen, denn meine Antipathie gegen Krankenhäuser ist sehr groß, aber mir fehlte die Selbstbestimmung bei der Geburt. Ich hatte nicht vor liegend im Bett zu entbinden, aber es ist dann doch so gekommen.

Auch die vielen Leute, die gegen Ende der Geburt um das Bett herum stehen und Kommandos geben, sind etwas zum Abgewöhnen. Man kann seinen Gefühlen keinen freien Lauf lassen.
Wie froh war ich daher, als meine Frauenärztin sagte, sie glaube in Geldern gäbe es ein Geburtshaus. So habe ich bereits im Dezember mit einer ebenfalls schwangeren Freundin das Geburtshaus besichtigt und mein Entschluss stand fest, dass ich hier entbinden wollte.
Während der gesamten Schwangerschaft war ich viel ruhiger, da alles viel vertrauter war und ich eher auf meine innere Stimme und meinen Bauch gehört habe. Zudem habe ich diesmal wenig über  Schwangerschaft und Geburt gelesen, so dass sich weniger Angst vor Komplikationen aufbauen konnte.

Nach etwa einer Stunde leichter Wehen habe ich im Geburtshaus angerufen. Lucie sagte wir sollten kommen, trotz eventuellem Fehlalarm.
Wir haben unsere ältere Tochter Hannah eingepackt und zu Freunden nach Sonsbeck gebracht am 31. Juli ihren "kleinen" Sohn im Geburtshaus bekommen hatten.

Bis wir in der Villa Dullstein ankamen, waren die Wehen im Abstand von etwa fünf Minuten gekommen,  sie waren aber nicht besonders stark.
Lucie schlug mir vor in die Badewanne zu gehen, woraufhin die Wehen verschwanden, ich mich aber entspannte. Danach haben wir uns hingelegt.

Kurze Zeit später setzen die Wehen wieder ein. Etwa zweieinhalb Stunden kamen die Wegen in regelmäßigen Abständen aber mit genügend Zeit zur Regeneration. Danach konnte ich es nicht länger aushalten und ich musste aufstehen und laufen. Wir haben noch einige Wehen auf dem Pezzi-Ball veratmet, bis Lucie vorschlug es vielleicht nochmal mit der Wanne zu versuchen. Zunächst schien es dann als ob die Wehen wieder nachlassen würden. da die Abstände zwischen ihnen größer wurden, aber dann ging es recht schnell, denn nach kurzer Zeit kündigten sich schon die Presswehen an, die zwar sehr schmerzhaft waren, aber nur kurz kurz währten und die kleine Ida kam an einem sonnigen Sonntagmorgen um 6.28 Uhr ohne Eingriffe im Wasser auf die Welt.

Jetzt, mit schon einigen Tagen Abstand, kann ich sagen, dass mir die ruhige Atmosphäre sehr gut getan hat, so dass ich mir und Ida die nötige Zeit lassen konnte, denn bei Hannah war alles doch zu schnell und heftig gewesen.
Ich fühle mich erholt und auch der sogenannte "Baby - Blues" ist mir diesmal fast völlig erspart geblieben. So kann ich Ida genießen, weil es mir gut geht.
Die Geburt war so wie ich sie mir immer gewünscht und vorgestellt habe und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich sie so erleben durfte.
Ich danke vor allem Marco, der mir auch jetzt wieder durch seine Anwesenheit die nötige Ruhe und Kraft gegeben hat und mich ermutigt hat durchzuhalten.

Ich danke Lucie, die immer dann da war, wenn ich sie brauchte.
Danke auch an Agnes, die es nicht mehr geschafft hat den Endspurt mit zu erleben, weil es dann doch plötzlich sehr schnell ging.

Vielen Dank für das leckere Frühstück.
Hannah war völlig begeistert von Ida, als wir sie in Sonsbeck wieder abgeholt haben und kümmert sich jetzt rührend um sie.

Wir vier sind glücklich. Danke!

Idas Familie